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Evolution der Google-Suchergebnisse: Die neue mobile Suche

Noch vor einigen Jahren hat die mobile Suche im Google-Universum eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Dann folgte der große Mobile-Boom. Die stetig wachsende Nutzung mobiler Endgeräte ist wie erwartet auch beim Suchmaschinenriesen im kalifornischen Mountain View nicht ohne Konsequenzen geblieben. 2015 wurden das erste Mal offiziell mehr Google-Anfragen auf mobilen Endgeräten registriert als auf stationären Desktops.

Die mobile Suche ist seitdem in ständigem Wandel. Mit der stationären Suche als Vorbild soll das Angebot immer schneller und präziser werden und die Suchanfragen der mobilen Nutzer bestmöglich beantworten. Letztere werden immer anspruchsvoller. Das Smartphone ist mittlerweile fester Bestandteil des Alltags geworden und die Nutzergewohnheiten sind komplett anders als noch vor fünf oder zehn Jahren. Mit der veränderten Nutzung steigen die Erwartungen an die Suchmaschine – User-Experience und Usability sind auch für die mobile Google-Suche zwei wichtige Faktoren. Das Unternehmen stellt nicht nur immer wieder neue mobile Werbeformate bereit, es peilt mit innovativen Features und kontinuierlichen Tests auch eine immer bessere und übersichtlichere Bereitstellung von Informationen an.

Das mobile Google-Universum

Schon früh hat Google die zunehmende Bedeutung von Mobile erkannt. Das kalifornische Unternehmen hat seine starke Marktpräsenz genutzt, um sich auch im Bereich des mobilen Internets eine zentrale Rolle zu sichern. Spätestens als 2008 mit Android das eigene Betriebssystem für mobile Endgeräte auf dem Markt kam, war diese Rolle auch gefestigt. Mittlerweile laufen über 80 Prozent der mobilen Devices mit dem Google-Betriebssystem.

Doch mit dem System war erst die Basis geschaffen. Zahlreiche Anwendungen wie Google Maps oder der mobile Chrome-Browser hielten Einzug auf den Smartphones. Um die eigenen Produkte zu fördern, rief man den Google Play Store ins Leben, auf den man wiederum durch die Integration in die eigene Suchmaschine verweist. Ein eigenes Smartphone, das ausschließlich mit Google-Produkten läuft (Nexus One), Tablets und Folgeprodukte der Reihe kamen auf den Markt. Eine Strategie, die zeigt, dass der Konzern Google und mobiles Internet zu zwei untrennbaren Begriffen machen will. Außer einer Vormachtstellung im Mobile-Bereich hat sich Google mit den vielen Diensten und Produkten vor allem eines verschafft: Zugang zu wertvollen Nutzerdaten, die helfen, die Dienste und vor allem das mobile Anzeigenmodell immer weiter zu verbessern.

Mobile SERPs im Wandel: Wichtige neue Features und Tests

Seit dem Start 1998 ist die Google-Suche geprägt von kontinuierlicher Weiterentwicklung. Designer und Entwickler von Google arbeiten täglich an der Optimierung des Nutzererlebnisses, immer wieder gibt es Tests, die man an eine ausgewählte Nutzergruppe ausspielt. Manche Änderungen sind mehr, manche weniger auffällig und mit mehr oder weniger spürbaren Auswirkungen auf die Arbeit im Onlinemarketing verbunden. In unserer Übersicht der Google-Evolution haben wir die Meilensteine der Google-Geschichte bereits kurz skizziert.

In den letzten Jahren gab es eine starke Annäherung von mobilen Suchergebnissen und dem, was der Nutzer am Desktop sieht. Auch wenn es inhaltlich keine gravierende Differenz gibt, hat die mobile Suche eine Sonderposition. Denn die Nutzererfahrung und das Nutzerverhalten unterscheiden sich stark, je nachdem ob man mit dem Smartphone oder vom stationären PC aus zugreift.

Die mobile Websuche

Doch zurück zur mobilen Suche. In der Standard-Ansicht sehen Nutzer das gewohnte Google-Layout. Wegen des begrenzten Displays fällt jedoch die rechte Spalte weg, in der bei der Desktop-Version Knowledge Graph oder Shopping-Ergebnisse platziert sind. Wie im stationären Vorbild folgen in der mobilen Suche die organischen Treffer auf die darüberstehenden AdWords-Anzeigen. Bei kommerziellen Suchanfragen (z. B. „versicherungen vergleich“) sieht der Nutzer bis zu vier AdWords-Anzeigen vor dem ersten organischen Ergebnis.

Die nächsten Abbildungen zeigen den sogenannten Knowledge Graph in der mobilen Ansicht. Bei wenig kommerziellen Suchbegriffen, z. B. Lebensmittel oder Sehenswürdigkeiten zeigt Google direkt die wichtigsten Informationen in einer Karte an, Google-AdWords-Anzeigen findet man bei den folgenden Beispielen aufgrund der informationalen Suchbegriffe keine.

Lokale Suche und Standorterkennung

Die Google-Suche integriert natürlich auch die Geräteeigenschaften und Funktionen, die durch das mobile Endgerät gegeben sind, in den Suchprozess. Ein Beispiel ist die Standorterkennung – ein integrierter GPS-Empfänger ist in Smartphones heute Standard. Bei passenden Suchanfragen fragt Google den Nutzer, ob er GPS für die Standortermittlung nutzen will. Bei einer lokalen Suche, z. B. nach Restaurants oder Hotels in der Nähe, sieht der Nutzer das Google-Maps-Snippet mit eigenem Standort und den Lokalitäten in der Nähe.

Voice Search

Eine weitere im Smartphone integrierte Technik, die für die Google-Suche verwendet wird, ist die Sprachsteuerung. Ob über Siri am iPhone oder mit der hauseigenen Sprachassistenz Google Now auf Android-Geräten – wenn das Tippen gerade unpassend ist, kommuniziert man über die Sprachsteuerung mit dem Handy. Die Suchanfragen über die Sprachsuche häufen sich, die Option wird vor allem in den USA immer beliebter. Laut offiziellen Angaben machen dort die Google-Spracheingaben über mobile Devices mittlerweile 20 Prozent der gesamten Anfragen aus. Digitale Sprachassistenten nehmen nicht nur in der Google-Suche einen immer höheren Stellenwert ein, auch im Smart-Home-Bereich arbeitet man an entsprechenden Lösungen. Voice Search und Voice Control sind in jedem Fall interessante Themen, die auch SEO-Experten weiter beschäftigen

App-Indexierung & App Testing

Durch das Mobile-Friendly-Update 2015 ist die Bedeutung von mobilen Websites und vor allem Apps gewachsen. Bereits seit Oktober 2014 indexiert Google Apps für das Betriebssystem Android und arbeitet seitdem an einem kontinuierlichen Ausbau des App-Indexes.

Nutzer gelangen über die mobilen SERPs direkt zu App-Inhalten. Diese sind über sogenannte Deep Links eingebaut. Hat der Nutzer die App noch nicht auf dem Smartphone eingerichtet, schlägt Google sie zur Installation vor und leitet ihn in den Google Play Store weiter. Bereits installierte Programme öffnet man direkt über die Suchergebnisse.

Ein neues, seit Frühjahr 2016 verfügbares Feature ist das sogenannte App-Testing. Das bedeutet: Nutzer können Apps, die sie noch nicht installiert haben, schon in den Suchergebnissen ausprobieren. Klickt man auf den Button „Try now“ startet eine Demo der App.

Accelerated Mobile Pages

In der mobilen Suche ist im letzten Jahr immer öfter ein neues Icon aufgetaucht: Das Kürzel „AMP“ und ein kleines Blitzsymbol. AMP steht für Accelerated Mobile Pages und kennzeichnet besonders schnell ladende Inhalte. Bereits Ende 2015 startete Google diese Open-Source-Initiative zur Förderung schlankerer Inhalte. Zunächst wurde AMP nur im Bereich „Schlagzeilen“ gekennzeichnet, jetzt findet man die Icons auch in der Standard-Websuche. Schlanke Inhalte sollen die Performance auf mobilen Endgeräten verbessern. Durch das Einsparen von Code und den Einsatz eines Content Delivery Networks (CDN) laden Seiten bis zu vier Mal schneller und man benötigt nur ein Zehntel des gängigen Datenvolumens.

Laut Google wurden bereits 150 Millionen AMP-Dokumente indexiert, wöchentlich kämen ca. vier Millionen hinzu. AMP wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der neue Standard für mobile Websites, aber bisher soll dessen Einsatz noch keinen Einfluss auf Suchmaschinen-Ranking haben. Da die AMP-Seiten bessere Geschwindigkeiten und geringere Ladezeiten bieten, sollten sie künftig aber auch im Ranking profitieren.

Rich Cards

Hinsichtlich der Darstellung strukturierter Daten haben die Suchergebnisse in den letzten Jahren eine Wandlung durchgemacht. Diese ging von den Standard-Ergebnissen über die sogenannten Rich Snippets hin zu den neuen Rich Cards. Die nächste Grafik zeigt die Veränderung:

In gewissen Bereichen kann man dem Google-Bot zusätzliche Informationen mithilfe strukturierter Daten zur Verfügung stellen, z. B. bei Rezepten oder Events. Informationen werden im Snippet (dt. „Schnipsel“), also schon in der Vorschau bei den Suchergebnissen, angezeigt. Der Nutzer sieht auf den ersten Blick die relevanten Informationen – und schon die Rich Snippets haben sich optisch von normalen Ergebnissen abgehoben. Bei den Rich Cards ist der Unterschied noch gravierender.

Die neue optische Gestaltung soll die User-Experience noch weiter verbessern und eine optimale Darstellung der Inhalte ermöglichen. Die Rich Cards sind eine Art Info-Karussell, das Nutzer in der mobilen Suche noch vor den ersten herkömmlichen Suchergebnissen sehen.

Momentan werden die Rich Cards nur für Rezepte und Filme eingesetzt – perspektivisch werden sie mit Sicherheit auch für andere Bereiche relevant, vor allem für den E-Commerce und fürs Marketing, wenn auch Mark-ups wie Produkte und Events über die Rich Cards folgen. Zeitgleich mit Einführung der Rich Cards veröffentliche Google auch ein Update des Testing-Tools für strukturierte Daten. Mehr Infos dazu finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber zum Thema Rich Cards.

Trending Topics

Ein weiteres neues Feature, das den meisten Nutzern in der mobilen Suche aufgefallen sein sollte, sind die sogenannten trendigen Topics. Bei der Eingabe der Suchanfrage sehen Nutzer die aktuell meistgesuchten Themen. Es öffnet sich beim Tippen in die Suchleiste automatisch eine Liste mit den Themen, die momentan im Trend liegen.

Beginnt man mit der Eingabe seines Suchbegriffs, verschwinden die Trending Topics, und die bereits von der Desktop-Suche bekannte Google-Suggest-Funktion erscheint an der Stelle.

Was man im rechten Screenshot außerdem sieht: Erkennt Google einen Zusammenhang zwischen Suchanfrage und installierten Apps bzw. Suchanfragen aus der Vergangenheit, werden diese direkt im Startbildschirm angezeigt. Im Beispiel oben hat der Nutzer in der Vergangenheit nach Mitfahrgelegenheiten von und nach Berlin gesucht. Bei der Eingabe des Begriffes „Berlin“ zeigt Google direkt Mitfahrgelegenheit und Links zur installierten App des Anbieters BlaBlaCar an.

Google-Suche mit personalisiertem Start-Screen

Statt Google über den mobilen Browser zu öffnen, können Nutzer auch die Android-App starten. Die Suchmaschine sucht nicht nur im Web, sondern auch auf dem Gerät unter vorhandenen Anwendungen, Dokumenten und E-Mails. Wichtiger Bestandteil der Google-App ist die Funktion „Google Now“, die quasi als digitale Assistenz in allen Lebenslagen dienen soll. Der Nutzer personalisiert den Startbildschirm und legt sich „smarte Karten“ zu für ihn relevanten Themen an. Das können sein:

  • Terminerinnerungen
  • aktuelle Wetterlage
  • aktuelle Verkehrslage auf dem Weg zur Arbeit
  • TV-Programm
  • wichtigste News des Tages
  • aktuelle Sportergebnisse

Alle Funktionen sind über die Sprachsteuerung nutzbar. Je intensiver man die Google-App nutzt, desto genauer stimmt Google die angezeigten Informationen auf einen ab.

Eines ist bei der mobilen Google-Suche wie bei der Desktop-Suche sicher: Die Mission ist für Google noch lange nicht erfüllt. Google Now ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg von der einfachen Web-Suchmaschine hin zum allgegenwärtigen digitalen Assistenten, der Menschen zu jeder Zeit die Informationen liefert, die sie gerade brauchen.

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