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Snapchat Spectacles: Was kann die Brille mit Kamerafunktion?

Nachdem sie zunächst nur in den USA verkauft wurde, ist die Snapchat-Sonnenbrille „Spectacles“ seit Juni 2017 auch in vielen europäischen Ländern offiziell erhältlich (u. a. in Deutschland, Österreich und in der Schweiz). Das Besondere an ihr: Sie ist mit einer Kamera ausgestattet, mit der man kurze Videos aufnehmen und über die Snapchat-App veröffentlichen kann.

In den Vereinigten Staaten wurden die Spectacles euphorisch angenommen, wohingegen sich nach der Markteinführung in Deutschland der Ansturm auf sie in Grenzen hielt. Neben Zweifeln, ob sich die Brille in anderen Märkten gut verkaufen kann, wirft sie auch Fragen in Bezug auf Privatsphäre und den Datenschutz auf.

Wofür eignet sich die Snapchat-Sonnenbrille?

Snap Inc. (dasselbe Unternehmen, das auch hinter Snapchat steht) will mit der Brille einen weiteren Anreiz für die Nutzung der eigenen Messenger-App bieten. Denn mit den Spectacles können User nun auch ganz einfach aus der Ich-Perspektive ihre Erlebnisse festhalten und mit anderen Snapchat-Nutzern teilen. Dabei ist die Sonnenbrille ausschließlich für die Verwendung mit Snapchat konzipiert: Wer auf die Videoaufnahmen der Kamerabrille zugreifen möchte, benötigt ein Smartphone mit installierter Snapchat-App. Die Zielgruppe bilden dabei vorrangig Teenager und junge Erwachsene, worauf auch der Inhalt des offiziellen Spectacles-Werbevideos hindeutet:

Mit den Spectacles kann man 10-sekündige Videos (inklusive Ton) erstellen, die sich mit einem Knopfdruck an der Seite der Brille starten lassen. Wenn man die Taste zwei- oder dreimal hintereinander betätigt, werden dementsprechend viele Filmclips in Folge aufgenommen. Sobald eine Aufnahme läuft, leuchten LEDs rund um die Kamera auf. Hierdurch sollen auch alle vor der Kamera befindlichen Menschen erkennen, dass gerade ein Video aufgezeichnet wird.

Eine Besonderheit an den Aufnahmen ist, dass der Betrachtungswinkel der Kamera 115 Grad beträgt. Innerhalb der Snapchat-App ermöglicht das ein besonderes Feature: Wenn man beim Anschauen eines der Videos das Smartphone rotiert, dreht sich der Bildausschnitt ebenfalls mit.

Die Synchronisation der Filme zwischen Spectacles-Sonnenbrille und Snapchat-App funktioniert kabellos: Per Bluetooth oder WLAN gelangen die Aufnahmen dann in die App. Über die Anwendung lassen sich die Videos auch exportieren und so außerhalb von Snapchat veröffentlichen (z. B. auf YouTube, Facebook, Instagram oder Twitter). Dort haben die Clips ein kreisrundes Format – ähnlich wie bei einem Fischaugenobjektiv – und sind von einem großen weißen Rahmen umgeben.

Der ins Brillengestell integrierte Akku kann mit dem mitgelieferten Brillenetui aufgeladen werden. Weiter Einzelheiten über die Brille von Snapchat bietet das folgende Video des auf Android-Geräte und -Software spezialisierten Potals Androidpit:

Wo kann man die Snapchat-Brille kaufen?

Der einfachste Weg ist die Bestellung der Sonnenbrille über die Website von Spectacles. Sie ist in drei verschiedenen Farben erhältlich und der Einführungspreis liegt bei knapp 150 Euro.

Des Weiteren ist es aber auch möglich, sie an sogenannten Snapbots zu kaufen. Hierbei handelt es sich um gelbe Automaten, die für eine kurze Zeit an wechselnden Orten aufgestellt werden. In den USA war der Andrang auf sie recht groß, wie ein weiteres Image-Video von Snap Inc. zeigt.

Wo momentan diese Snapbots stehen, lässt sich dem Internetauftritt von Spectacles entnehmen. Allerdings gibt es in den USA weit mehr solcher Standorte als in Europa.

Snapchat-Brille vs. Privatsphäre und Datenschutz

In gewisser Hinsicht ist die Spectacles eine hippe Version von Google Glass – allerdings mit weit weniger Funktionen. Aber auch die Brille von Snapchat besitzt eine Kamera, mit der man seine Mitmenschen filmen kann und deren Aufnahmen auf dem Server des Brillenanbieters landen – und genau dies wurde bereits bei der Google-Brille stark kritisiert.

Zwar warnen einige Organisationen und Medien auch vor den Risiken der Snapchat-Sonnenbrille und äußern rechtliche Bedenken (u. a. die Verbraucherzentralen in Deutschland , und das Digitalwirtschaftsmagazin t3n). Eine intensiv geführte öffentliche Diskussion über die Spectacles gab es bisher allerdings nicht, was beispielsweise auch Deutschlandfunk Nova bereits festgestellt hat.

Fakt ist, dass Nutzer der Spectacles – auch trotz aufblinkendem Kreis rund um die Kamera – relativ unbemerkt andere filmen können. Auch an dieser datenschutzrechtlich bedenklichen Tatsache scheiterte damals die Einführung von Google Glass in Deutschland. Es bleibt abzuwarten, ob den Spectacles bald gleiches widerfährt.

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