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Welche Facebook-Alternativen gibt es?

Sie sind auf der Suche nach einer guten Facebook-Alternative? Damit befinden Sie sich in bester Gesellschaft. Ob undurchsichtige AGBs, Datenschutzprobleme oder Plattform-Richtlinien – die Gründe, nach einer Alternative zu Facebook zu suchen, häufen sich, und immer mehr Nutzer wenden sich von dem kalifornischen Social-Media-Platzhirschen ab. Der Markt für ähnliche Netzwerke ist natürlich riesig und eine große Auswahl an Plattformen steht bereit, um Facebook-Flüchtige aufzufangen. In unserem Ratgeber zum Thema haben wir bereits die größten und bekanntesten Netzwerke vorgestellt.

Doch egal, ob Twitter, Instagram oder Google+: Bedenken und Vorbehalte hinsichtlich der Privatsphäre und  Datensicherheit sind auch bei den anderen Social-Media-Riesen angebracht. Was Nutzer häufig speziell an Facebook stört: Der Newsfeed-Algorithmus entscheidet, was angezeigt wird und was nicht. Und zudem wäre da auch das Problem mit der personalisierten Werbung, die natürlich nur durch die Bereitstellung persönlicher Daten der Nutzer möglich ist. Sie merken: Die Liste der Kritikpunkte ist lang. Gut, dass es mittlerweile einige kleinere Alternativen zu Facebook auf dem Markt gibt. Diese Facebook-Alternativen bieten zum Teil weniger Werbung, verbesserten Datenschutz und weitere Funktionen, die Facebook nicht bietet.

Diaspora

Die Plattform Diaspora ist laut eigenen Aussagen eine „soziale Onlinewelt, in der du deine Daten in der Hand hast“. Der Funktionsumfang ist ähnlich wie bei Facebook. Nutzer können Statusmeldungen veröffentlichen, Beiträge und Bilder teilen und kommentieren. Die Zielgruppe seiner eigenen Beiträge kann man ähnlich wie bei Facebook kontrollieren. Auch auf Diaspora verwendet man Hashtags, um Beiträge einzuordnen, und kann dadurch außerdem Menschen finden, mit denen man Interessen teilt. Die Verlinkung mit dem Facebook-Profil ist ebenfalls möglich, zudem gibt es eine Chat-Funktion. Hinter Diaspora steht ein Open-Source-Projekt.

Man spricht hier auch von einer dezentralen Facebook-Alternative, was mit dem technischen Hintergrund zu tun hat: Die Plattform besteht aus vielen miteinander verbundenen Teilnetzwerken. Die Daten der Nutzer werden nicht zentral bei einem Anbieter gesammelt, die Infrastruktur verteilt sich auf die Nutzer selbst. Das funktioniert über sogenannte Pods. Wer genug technisches Know-how hat, kann seinen eigenen Pod bzw. Server betreiben. Damit geht man sicher, dass die privaten Daten in eigener Hand blieben. Für weniger technikaffine Nutzer stehen im Netzwerk „Open Pods“ zur Verfügung. Mit etwas über 60.000 aktiven Nutzern in den letzten 6 Monaten ist Diaspora natürlich ein kleines Licht im Vergleich zu Facebook. Das dezentrale System und die damit verbundene Kontrolle über die eigenen Daten ist jedoch ein wesentlicher Vorteil für Nutzer mit Datenschutzbedenken. Zudem ist Diaspora komplett werbefrei.

Vorteile Nachteile
Sichere Alternative zu Facebook Programmierkenntnisse nötig für eigenen Pod
Volle Kontrolle über private Daten Vergleichsweise wenig aktive User
Dezentrales System  

Ello

Seit der Gründung im Jahr 2012 haben die Betreiber von Ello einen selbstgewählten Auftrag: Sie wollen Ello als führende werbefreie Alternative zu Facebook und anderen sozialen Plattformen etablieren. Das bedeutet vor allem den Verzicht auf  personalisierte Werbung. Bei Ello erfolgt keine  Weitergabe von Nutzerdaten zu Werbezwecken und das soll sich auch nicht ändern.  Finanzieren will man die Plattform demnächst über ein Freemium-Modell, das einzelne Funktionen gegen Bezahlung zur Verfügung stellt. Offizielle Aussagen zu Nutzerzahlen sucht man noch vergebens, unterschiedliche Quellen gehen von 1,5 bis 4 Millionen registrierten Nutzern aus, wobei der Anteil der aktiven User relativ gering sein dürfte.

Auf der Suche nach alternativen Einnahmequellen ist man bei Ello kreativ: Eine Beteiligung an Einnahmen, die Nutzer über Transaktionen im Netzwerk generieren, ist geplant – z. B. über CD-Verkäufe. Zu den Grundsätzen von Ello gehört es auch, keine Klarnamenpflicht einzuführen, die seinerzeit bei Facebook zeitweise für Empörung gesorgt hatte. Zum Start trat Ello als geschlossenes Netzwerk auf. Nur über die Einladung von anderen Nutzer war die Anmeldung möglich. Mittlerweile ist die Plattform allerdings für alle Interessierte offen. Kritiker werfen Ello allerdings vor, keine wirkliche Alternative zu Facebook zu sein, denn es würden viele grundlegende Funktionen fehlen. Beispielsweise ist die private Kommunikation der Nutzer über einen Chat bei Ello momentan nicht möglich. Dafür stehen hochwertige Inhalte im Vordergrund, und so bietet Ello vor allem für Künstler und Fotografen das ideale Umfeld. Nutzer aus dem Kreativbereich überzeugt Ello vor allem mit seinem klaren, minimalistischen Design.

Vorteile Nachteile
Keine Werbung auf Grundlage von Nutzerdaten wenig Reichweite
Keine Klarnamenpflicht nur rudimentäre Funktionen

EyeEm

Die Foto-App von EyeEm, einem Start-up aus Berlin, ist weniger eine Facebook-Alterative, aber mit dem klaren Fokus auf Bilder in jedem Fall eine Alternative zu Instagram und anderen Netzwerken, die auf visuelle Inhalte setzen. Die Foto-App ist für iOS und Android verfügbar und außerdem über den Browser aufrufbar.

Laut Unternehmensangaben hat die App zurzeit circa 18 Millionen Nutzer (Stand: Juni 2016). Die Plattform wächst, sammelt fleißig Investments und auch die Funktionen und Features werden immer ausgefeilter. Der ist Grundgedanke ähnlich wie bei Instagram: EyeEm ist eine Plattform zum Teilen von Fotos. Schnappschüsse und Profi-Fotografien können bearbeitet und dann mit der Community auf EyeEm und anderen verknüpften Netzwerken geteilt werden – zudem stehen verschiedene Filter, Bearbeitungsmodi und Rahmen zur Verfügung.

Das Besondere am Geschäftsmodell von EyeEm: Nutzer können eigene Fotos freiwillig auf dem Marktplatz des Start-ups anbieten. EyeEm verkauft die Bilder mit Stock-Lizenzen u.a. an Getty Images und andere Abnehmer. Die Nutzer sind an den Einnahmen beteiligt. Damit schafft EyeEm nicht nur einen Anreiz für seine Nutzer, möglichst hochwertige Fotografien auf der Plattform bereitzustellen, das Unternehmen umgeht so auch die Notwendigkeit, sich über Werbung finanzieren zu müssen. Als Berliner Start-up hält sich EyeEm an die deutschen Datenschutzrichtlinien. Als sehr positiv zu bewerten ist zudem die kundenfreundliche Gestaltung der Datenschutzerklärung: Nutzer haben Einsicht in die gesamten Richtlinien, können aber auch eine verständliche Zusammenfassung nutzen.

Vorteile Nachteile
gute Alternative zu großen Bildnetzwerken geringere Verbreitung als Instagram
für Nutzer u.U. lukratives Geschäftsmodell kein rein privates Teilen von Bildern möglich
kundenfreundliche Gestaltung der Datenschutzerklärung  
konform mit dt. Datenschutz  

Path

Path ist eine gute Facebook-Alternative für Nutzer, die weniger auf eine große Community, sondern vielmehr auf einen ausgewählten engen Bekanntenkreis Wert legen, mit dem sie in Kontakt bleiben möchten. Zu Beginn war die Freundesanzahl auf der Plattform deshalb auf 150 Kontakte beschränkt. Diese Begrenzung wurde nach einiger Zeit jedoch aufgehoben.

Die App ist verfügbar für iOS und Android.

Die Grundfunktionen ähneln denen von Facebook: Man kann Beiträge, Fotos und Videos teilen und seinen Freunden mitteilen, welchen Song man gerade hört, welche TV-Sendung man sieht und wie man sich momentan fühlt. Natürlich kann man auch private Nachrichten austauschen. Path wird oft als persönliches, intimes Netzwerk bezeichnet. Leider geriet Path immer wieder in die Kritik, was das Thema Datenschutz betrifft. Zuletzt hat man das Unternehmen 2013 aufgrund der Speicherung von Daten Minderjähriger verurteilt. Mittlerweile muss das Unternehmen alle zwei Jahre die Datenschutzrichtlinien überprüfen lassen und hat zuletzt den Nutzern versprochen, keinerlei persönliche Daten auf den Servern zu speichern.

Auch Path arbeitet mit einer Art Freemium-Modell: Nutzer können über Path Premium gegen Zahlung verschiedene Filter und Sticker freischalten. Laut eignen Angaben hat Path ca. 30 Millionen Nutzer, ein Großteil davon aus Indonesien. Im letzten Jahr wurde Path von Daum Kakao übernommen, die Firma betreibt unter anderem den führenden Messaging-Service in Südkorea.

Vorteile Nachteile
gute Usability Starke Kritik an Umgang mit Nutzerdaten
ansprechende Oberfläche, viele Funktionen  

Die besten Facebook-Alternativen im Überblick

Facebook ist und bleibt der Platzhirsch unter den sozialen Netzwerken. In anderen Teilen der Welt, zum Beispiel in Russland oder in China, gibt es ebenbürtige Konkurrenten, doch in Deutschland findet man Freunde und Bekannte vor allem auf Facebook. Wer sich auf der Plattform aufhält, muss natürlich mit den Einstellungen des Netzwerkes zu Privatsphäre und Datensicherheit leben können. Wer das nicht hinnehmen will, findet einige gute Alternativen zu Facebook – aber dort vielleicht nicht jeden Arbeitskollegen oder Nachbarn auf den eher kleineren Netzwerken.

  Gegründet Mitglieder Werbung Datenschutz
Facebook 2004 Ca. 1,65 Milliarden aktive Nutzer personalisierte Werbung Da Facebooks europäischer Hauptsitz in Irland liegt, gelten für das Unternehmen nicht die deutschen Datenschutzrichtlinien, folglich gibt es immer wieder Kritik wegen des Umgangs mit Nutzerdaten
Diaspora 2010 Ca. 60.000 aktive Mitglieder werbefrei Daten können komplett auf eigenem Server gehostet werden
Ello 2014 Keine offiziellen Angaben, Schätzungen zufolge 1,5 bis 4 Mio. registrierte Mitglieder werbefrei Keine Weitergabe von personenbezogenen Daten an Werbetreibende
EyeEM 2011 Ca. 18 Millionen Mitglieder werbefrei, monetarisiert sich über (freiwillig) zur Verfügung gestellte Fotografien der Nutzer Als deutsches Start-up sind die Richtlinien von EyeEm konform mit dem deutschen Datenschutz
Path 2010 Ca. 30 Millionen Nutzer personalisierte Werbung Wiederholt in der Kritik aufgrund Verletzung der Datenschutzrichtlinien

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