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Expired Domains – heißer Tipp oder brandgefährlich?

Werden Domains, die von Privatpersonen, Unternehmen oder Organisationen registriert wurden, nach Ablauf der Vertragslaufzeit nicht verlängert oder bewusst gekündigt, spricht man in SEO-Kreisen von Expired Domains (deutsch: „abgelaufene Domains“). Diese stehen fortan für eine erneute Registrierung offen. Die Beweggründe dafür, eine Domain aufzugeben, sind vielfältig. Üblicherweise handelt es sich um gescheiterte Webprojekte oder eine Auflösung des Domain-Portfolios im Rahmen eines Insolvenzverfahrens. Doch auch Abmahnungen aufgrund von Markenrechtsverletzungen führen dazu, dass Domains frei werden. Eine erneute Registrierung kann in diesem Fall aber rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Wir erklären Ihnen, warum Expireds so begehrt sind, welchen Vorteil sich Nutzer von freigewordenen Domains versprechen und warum Sie bei der Registrierung mit Bedacht vorgehen sollten.

Der Wert einer Expired Domain

Interessant sind Expired Domains vor allem aufgrund zentraler SEO-Faktoren, die in erster Linie mit einem weiterhin bestehenden Backlink-Profil zusammenhängen. Sollten Sie den Erwerb einer freigewordenen Webadresse in Erwägung ziehen, gilt es daher die Qualität der Domain auf Basis eingehender Links zu ermitteln. Darüber hinaus werden relevante Keywords in der Second-Level-Domain sowie ein möglicher Bezug zu Produkten, Marken oder Dienstleistungen zur Bewertung einer Expired Domain herangezogen.

Backlinks

Spricht man vom Backlink-Profil einer freigewordenen Webadresse, geht es um eingehende Verweise, die für eine Domain in vorhergehenden Nutzungszyklen aufgebaut wurden. Gerade Expireds mit langer Vorgeschichte sind in der Regel keine Unbekannten im Netz. Denn während bereitgestellte Inhalte bei einem Inhaberwechsel nur selten übernommen werden, bleiben Verlinkungen, die von anderen Seiten auf die Domain führen, erhalten, sofern der neue Inhaber diese nicht aktiv abbaut oder entwertet.

Das Backlink-Profil einer freigewordenen Domain ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Während manche Expireds von ihren Vorbesitzern aufwendig gepflegt wurden und über hochwertige eingehende Links von repräsentativen Webseiten verfügen, weisen andere Domains eher fragwürdige Backlinks auf. Schlimmstenfalls wurde die freigewordene Domain im Rahmen eines Satelliten-Domain-Netzwerks als bloße Linkfarm zur Stärkung eines Hauptprojekts missbraucht und bereits von relevanten Suchmaschinen abgestraft.

Sowohl die Anzahl als auch die Qualität eingehender Links auf eine Domain haben einen großen Einfluss auf das Ranking in der Suchmaschine. SEO-Experten unterscheiden in diesem Zusammenhang drei Kennwerte:

  • Link-Popularität: Die Link-Popularität ist ein Kennwert, der herangezogen wird, um eingehende Links auf eine Website quantitativ zu bewerten. Der Maßstab ist dabei die Gesamtheit aller Verweise auf eine Domain nach dem Motto „je mehr eingehende Links, desto wichtiger die Website“. Die Linkpopularität wird in der Regel durch den PageRank-Algorithmus ermittelt. Für die Relevanzbewertung durch die Suchmaschine spielt der PageRank jedoch eine untergeordnete Rolle.
  • Domain-Popularität: Wichtiger als die Link-Popularität ist für die Bewertung des Backlink-Profils einer Expired Domain die sogenannte Domain-Popularität. Bei diesem Kennwert werden eingehende Verweise von ein und derselben Website nur einmal gewertet. Dies unterbindet Manipulationsversuche, bei denen eine Domain mehrfach auf eine andere verweist.
  • IP-Popularität: Noch einen Schritt weiter geht man bei der Bestimmung der IP-Popularität. Hier werden eingehende Links nur dann gewertet, wenn diese von verschiedenen Servern aus unterschiedlichen Netzwerken stammen. SEO-Experten nehmen an, dass Google die IP-Popularität ins Suchmaschinenranking einbezieht, um Linknetzwerke zu entlarven.

Bei der Qualitätsbewertung einer Expired Domain spielen vor allem die IP- und die Domain-Popularität eine Rolle. Finden sich Expireds mit hoher Link-Popularität – sprich einer großen Anzahl an Backlinks, aber schlechten Werten in Bezug auf die IP- und Domain-Popularität –, ist davon auszugehen, dass diese Verweise künstlich aufgebaut wurden. Eine solche Domain ist bei relevanten Suchmaschinen in der Regel bereits negativ aufgefallen. Möglicherweise ist dies der Grund dafür, dass die Domain aufgegeben wurde. Nutzer, die ein seriöses Onlineprojekt starten möchten, sollten solche Expireds meiden.

Neben der Quantität eingehender Links gilt es zudem, die Qualität des Backlink-Profils zu bewerten. Zentrale Fragen sind hier: Wo kommt der Link her? Und um welche Art von Verweis handelt es sich? Ein hochwertiges Backlink-Profil zeigt in der Regel eine natürliche Mischung verschiedener Link-Typen wie Footer- und Sidebar-Links, Verweisen in Kommentaren, Foren-Threads und Social-Media-Posts sowie Content-Links, die von verschiedenen repräsentativen Webseiten stammen. Zu beachten ist zudem, ob diese Verweise als Do- oder Nofollow gekennzeichnet sind.

Um Spam-Links zu entlarven, empfiehlt es sich darüber hinaus, die Anchor-Texte – also die verlinkten Textteile – unter die Lupe zu nehmen. Sind diese überwiegend auf transaktionale Keywords optimiert, deutet dies darauf hin, dass die Verlinkung nicht auf natürliche Weise zustande gekommen ist. Die Vergangenheit einer freigewordenen Domain kann somit durchaus negative Folgen für ein Folgeprojekt haben.

Ob sich ein bestehendes Backlink-Profil für ein neues Webprojekt unter der freigewordenen Domain nutzen lässt, hängt zudem damit zusammen, ob sich die Linkziele eingehender Verweise rekonstruieren lassen. Um zu analysieren, welche Inhalte in der Vergangenheit unter einer Domain bereitgestellt wurden, bietet sich die Einsicht in das Internet Archive an. Führen Backlinks auf Unterseiten der Domain ins Leere, haben diese keinen Wert und wirken sich möglicherweise sogar negativ aus. Eventuell werden diese per 301-Weiterleitung auf ähnliche Unterseiten oder die Startseite umgeleitet. Der Großteil der Linkpower geht in diesem Fall jedoch verloren.

Keyword im Domain-Namen

Lange Zeit galt ein Keyword im Domain-Namen als starkes Relevanzsignal für das Suchmaschinenranking. Dieser Zusammenhang hat sich im Laufe der Zeit relativiert. Dennoch erfreuen sich Keyword-Domains nach wie vor großer Beliebtheit auf dem Domain-Markt. Ein Grund dafür ist, dass Keyword-Domains von potenziellen Besuchern mitunter als relevanter und seriöser wahrgenommen werden. Griffige Webadressen mit suchvolumenstarken Keywords im Domain-Namen werden von Interessenten daher oft über Jahre hinweg beobachtet. Sinnvoll ist der Erwerb einer Expired Domain jedoch nur, wenn der Domain-Name sich mit den Inhalten, Produkten oder Dienstleistungen deckt, die künftig unter der Webadresse bereitgestellt werden sollen.

Zu beachten ist zudem, dass zahlreiche Domains im Konflikt mit Markeneintragungen stehen. Bevor Sie eine Expired Domain kaufen, empfiehlt sich daher eine gründliche Recherche in den zentralen Registern des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA), des Amts der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (EUIPO) oder der Weltorganisation für Geistiges Eigentum (WIPO).

Expired Domains finden

Internetnutzer, die versuchen gelöschte Domains ausfindig zu machen und erneut zu registrieren, werden schnell feststellen, dass sich dieses Vorhaben manuell nicht bewerkstelligen lässt. Professionelle Domain-Händler sind mit den Löschprozessen der Registrierungsstellen bestens vertraut und stützen sich auf ausgeklügelte Algorithmen, mit denen sich der Zeitpunkt, wann eine Domain frei wird, exakt bestimmen lässt. Ergebnis dieser Recherchearbeit sind sogenannte Löschlisten. Im Internet finden sich zahlreiche Datensätze mit Domains, die bereits frei geworden sind oder in naher Zukunft frei werden könnten. Oft lassen sich diese jedoch nur kostenpflichtig einsehen.

Problematisch ist zudem die Neuregistrierung von Hand. Grund dafür sind sogenannte Backordering-Anbieter, die sich dafür bezahlen lassen, dass sie auslaufende Domains über einen gewissen Zeitraum hinweg beobachten und mithilfe automatisierter Prozesse registrieren, sobald diese frei werden. Vielversprechende Expireds sind daher in der Regel bereits wieder vergriffen, bevor sich ein Internetnutzer manuell durch das Registrierungsmenü geklickt hat.

Expired Domains in der Suchmaschinenoptimierung

In der Vergangenheit wurden Expired Domains im Rahmen des Black-Hat-SEOs dazu eingesetzt, schnell und ohne großen Aufwand Backlink-Quellen zu generieren – mitunter findet diese Praxis auch heute noch Anwendung. Von solchen Methoden ist jedoch abzuraten. Alle relevanten Suchmaschinen arbeiten heutzutage mit hochkomplexen Ranking-Algorithmen, die sich durch solche Link-Netzwerke in aller Regel nicht mehr austricksen lassen.

Da Suchmaschinen eingehende Links als Empfehlungen werten, haben diese Verweise einen entscheidenden Einfluss auf das Ranking. Ein Vorgehen, bei dem ein Backlink-Profil eines ausgeschiedenen Webprojekts nach einer Neuregistrierung der Domain genutzt wird, um einem neuen Projekt Starthilfe zu geben, ist mit Sicherheit nicht im Sinne der Suchmaschine. Die Nutzung einer Expired Domain bleibt somit ein Spiel mit dem Feuer, das im schlimmsten Fall eine Abstrafung oder den Ausschluss aus dem Suchindex zur Folge haben kann.

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