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Kleine Insel, große Domain: Warum im Pazifik Millionen Domains registriert werden

Die Welt in Domains: Der Registrierungsdienst Nominet hat in einer interessanten Grafik die internationale Netzwelt und ihre Domains dargestellt. Die Weltkarte scheint auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich, doch auf den zweiten zeigt sich, dass hier die Proportionen nicht ganz passend sind! Da sind die Niederlande und Russland plötzlich gleichgroß – und auch Deutschland nimmt es flächenmäßig glatt mit China auf. Des Rätsels Lösung: Die Flächen der einzelnen Länder sind proportional zur Anzahl der auf den jeweiligen Staat angemeldeten Domains. Und ein klitzekleiner Inselstaat übertrumpft sie alle: Tokelau.

Klicken Sie hier, um die Grafik zu vergrößern.

Von .com zum .beauty

Fast 26 Jahre sind vergangen, seitdem die allererste Internetseite online ging. Mittlerweile sind weltweit mehr als 314 Millionen Domains registriert, so der Verisign Domain Report. Die Internetbranche kann immer noch ein stetiges Wachstum verbuchen, im Vorjahresvergleich sind die Zahlen um neun Prozent gestiegen. Mit den Jahren haben sich auch die Domain-Endungen verändert. Dominierten früher noch Klassiker wie .info oder .com, kann man sich für seine Website heute auch eine Domain mit der TLD .beauty, .dance oder .berlin sichern.

Nach wie vor ist .com die am weitesten verbreitete Endung: Circa 123 Millionen Domains sind unter .com registriert. Doch welches Kürzel folgt wohl dahinter? Die Länderendung .cn für China wäre naheliegend. Schließlich ist China das bevölkerungsreichste Land der Welt, und bei 1,38 Milliarden Menschen sollte auch die Anzahl der registrierten Domain die höchste sein.

Das stimmt aber nicht. Denn auf Platz zwei der häufigsten Domain-Endungen kommt tatsächlich .tk – die länderspezifische Domain für Tokelau. Das Skurrile: Bei circa 1.400 Einwohnern kommt die Inselgruppe, ein integraler Teil Neuseelands, auf unglaubliche 31 Millionen registrierter Domains mit der Endung .tk.

Schon mal was von Tokelau gehört?

Haben Sie schon mal von Tokelau gehört? Vermutlich nicht, denn das Land ist mit Sicherheit kein typisches Touristenziel. Nach geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten sucht man ebenso vergeblich wie nach einem Flughafen. Das Land im Südpazifik ist mehr oder weniger abgeschieden und wirklich schwer zu erreichen: Nur zweimal monatlich wird es von Samoa aus mit dem Schiff angefahren. Weitere Infrastruktur gibt es nicht, geschweige denn Tourismus.

Was die drei Atolle inmitten des Pazifiks jedoch bieten, sind abgeschiedene Strände, unberührte Natur und eine fast vollständig isolierte Oase der Abgeschiedenheit. Dieser Bilderbuch-Südseetraum klingt zu kitschig, um wahr zu sein. Fast wie die Geschichte, die Tokelau auf der Online-Weltkarte so riesig gemacht hat. Wie also konnte es ein kleines Inselatoll mit kaum nennenswerter Einwohnerzahl schaffen, in Sachen Domain-Registrierungen ganz weit nach vorn zu manövrieren?

Circa 31 Millionen Websites nutzen die offizielle Tokelau-Domain-Endung .tk. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es circa 16 Millionen registrierte .de-Domains, die Briten kommen im Vereinten Königreich auf circa elf Millionen registrierte .uk-Domains.

Das Geschäft mit den .tk-Domains

Dahinter steckt eine simple, aber rentable Geschäftsidee. Denn während man früher seine Wunsch-Domain noch kostenfrei registrieren konnte, hat sich mittlerweile ein lukratives Geschäft rund um den Handel mit Domains entwickelt. Im Jahr 2000 gründete ein niederländischer Unternehmer einen Registrierungsdienst, der auf .tk-Domains spezialisiert ist.

Doch warum gerade die TLD des abgeschiedenen Inselstaates? Ganz einfach, weil die Top-Level-Domain völlig kostenlos registriert werden konnte. Heute können Nutzer über DOT TK  .tk-Domains für 12 Monate kostenlos registrieren, erst danach fallen Gebühren an.

Entscheidet sich der Nutzer gegen die kostenpflichtige Domain oder wird eine .tk-Seite über eine bestimmte Zeit nicht genutzt, monetisiert der Verwalter den Website-Traffic und schaltet Werbung auf den Seiten. Die Domain Name Registry DOT TK finanziert sich hauptsächlich über diese Werbeeinnahmen. Davon profitieren auch die Einwohner Tokelaus, denn die Einnahmen fließen teilweise an den Inselstaat. Mittlerweile sollen sie einen erheblichen Teil des dortigen Bruttosozialprodukts ausmachen. Was angesichts der Einwohnerzahl und der Zahl der registrierten Domains nicht mehr erstaunt.

P.S. Sie wundern sich, dass die USA, der Vorreiter schlechthin in Sachen New Economy und Internet, auf der Karte so klein dargestellt wird? Das ist ganz einfach zu beantworten: Die US-Amerikaner ziehen ihrer eigenen .us-Domain die weltweit meistgenutzte Domain .com vor – und die wird in der Grafik nicht berücksichtigt.

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